Chronik der Böhler Hängsching

Es sollte eine Prunkfremdensitzung der „Rohrhöfer Göckel“ werden. So jedenfalls sah es noch einen Tag vor der restlos ausverkauften Veranstaltung am 10. Februar 1979 aus. Volker Dalder hatte die Vorbereitungen dazu getroffen. Um so größer war die Ernüchterung, als am Abend vorher die krankheitsbedingte Absage kam. Die Nachricht verbreitete sich rasch und so trafen sich noch am gleichen Abend viele Helfer zu einer Lagebesprechung im Saal der Turnhalle. Aufgrund vieler, kurzfristig zusammengetragener Programmpunkte aus der Bevölkerung stand fest, einen Kappenabend zu veranstalten. Herbert Hery hatte die rettende Idee und nahm Volker Dalder mit zu dem damaligen Sitzungspräsident der „Meckenheimer Marlachfrösche“ mit dem Ergebnis, dass am darauffolgenden Abend eine Prunkfremdensitzung der „Marlachfrösche“ mit Beteiligung Böhl-Iggelheimer Akteure stattfand. Die Prunksitzungen der Jahre 1980, 1981 und 1982 fanden unter der Regie der „Meckenheimer Marlachfrösche“ statt, wobei bereits eine zunehmende Eigenbeteiligung festzustellen war. Mit dabei war auch unsere Haus- und Hofkapelle „Die Musketiere“.
Am 29.01.1983 wurde ein Kappenabend durchgeführt, wobei die Musketiere als „Elferratersatz“22 mit auf der Bühne platziert waren. Die Moderation übernahm in eindrucksvoller Weise Roland Ehemann.
In den folgenden Monaten begannen unter großem Zeitaufwand Werner Bender und Herbert Hery mit dem Aufbau der „Böhler Hängsching“. Jeder, der Sinn für Humor und ein Karnevalsherz hatte, wurde aktiviert. So fanden sich in der Kampagne 1983/1984 sage und schreibe 101 Personen bereit, 2 Sitzungen zu gestalten. Alle Mitwirkenden finanzierten die notwendigen Kostüme und Utensilien aus eigener Tasche. Voll uniformiert marschierte am 11.02.1984 der erste eigene Elferrat unter den Klängen der „Böhler Musketier“ und der Stabführung unter Gerhard Hermann in den Saal der Sporthalle ein. Das war auch gleichzeitig die Geburtsstunde der Gesangsgruppe „Böhler Hängsching Singer’s“, die den Verein weit über die Grenzen der Pfalz hinaus bekannt gemacht hat. Eine schmucke Garde zeigte zum ersten Mal ihr Können. Geleitet wurde diese Sitzung gleich von zwei Sitzungspräsidenten: Roland Ehemann und Günter Möller. Keine der Anwesenden hat sie bisher vergessen: “Die fliegende Acht“. Eine Gruppe, die mit ihren akrobatischen Vorführungen alle Zuschauer von den Stühlen gerissen hat. Krönung dieser Gruppe war ein Auftritt im Stadion des 1.FCK vor und in der Halbzeitpause des Spiels: 1.FCK gegen Glasgoe Rangers. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Aufnahme in den BDK und in die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine unter der Mitgliednummer 2691. Zum ersten Mal fand der Neujahrsempfang mit der Beteiligung der „Böhler Hängsching“ statt.
Das Jahr 1985 wurde das Jahr der ersten Prinzessin der „Böhler Hängsching“.
Gabi I. aus dem Hause Tabala führte das Zepter. Zwei Tanzmariechen, zwei Garden und die Prinzessin trugen den Namen unseres Vereins weit über die Grenzen der Pfalz bis ins benachbarte Elsass (Entzheim) hinaus.
Wer glaubte, mit dem Aschermittwoch hören die Aktivitäten auf, sah sich am 4.10.1986 eines Besseren belehrt. „Volkstümlich klingt’s in Böhl“ hieß es zum ersten Mal in der Turn- und Sporthalle. Ein buntes Programm mit dem Fanfarenzug Willstätt, den Musketieren, den Hängsching-Singers sowie einer Trachtengruppe fand in der Bevölkerung hervorragender Anklang. Durch das Programm führte mit viel Witz, Humor und Sachverstand Roland Ehemann.
Nach einigen Jahren als Unterabteilung der Turn. Und Sporthallengemeinschaft kam es am 7.04.1987 zur Gründung eines eigenständigen Vereins. 52 Gründungsmitglieder stimmten diesem Vorhaben zu. Der Name lt. Satzung lautet: Karneval-Verein „Böhler Hängsching“ 1981 e.V.
1988 konnten bereits 3 Prunksitzungen durchgeführt werden. Außerdem hieß es erneut „volkstümlich klingt’s in Böhl“. In diesem Jahr fand sich eine Gruppe junger Musiker bereit, für die Prunksitzungen einen musikalischen Beitrag zu leisten. Damals konnte noch keiner ahnen, dass sich die Gruppe „HOI-DOI’S“ zu dem entwickeln würden, was sie heute darstellen. Diese Musikgruppe ist ein Magnet besonders für die „junge und jung gebliebene Generation“. Sie ist im Laufe der Jahre zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Böhler Prunksitzungen geworden.
„Von der Waterkant zum Pfälzerland“ lautete das Motto des Heimatabends 1989, als der Shanty-Chor „De Freebeuters“ aus Greetsiel in Ostfriesland zu Gast in Böhl waren. Die Kontakte knüpften Helgard und Alfred Gilster. Unsere Gäste waren so begeistert, dass bereits im darauffolgenden Jahr ein Gegenbesuch an der Nordsee stattfand. In Anwesenheit von Bürgermeister Roos sangen die Hängsching-Singer’s dort unter dem Motto „Vom Pfälzerland zum Nordseestrand“ Lieder aus der Pfalz.
1991 und 1992 fanden im Anwesen von Martin und Gerhard Christ zwei Sommernachtsfeste statt, die bei der Bevölkerung großen Anklang fanden.
Eine hohe Ehre wurde uns zuteil, als wir 1993 mit der Ausrichtung der „Vorderpfälzer Fasnacht“ beauftragt wurden.
Zu einer prächtigen Gruppe hat sich der 1994 gegründete Fanfarenzug unter der Leitung des heutigen 1.Vorsitzenden Clemens Kreitner entwickelt.
In all diesen Jahren haben unsere Garden, Tanzpaare und Tanzmariechen mit viel Erfolg an Pfalz-, Süddeutschen und Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Hervorzuheben sind vor allem Carolin Ganser und Enrico Menico, die im Jahre 2001 als Jugendtanzpaar auf den Deutschen Meisterschaften den 3. Platz belegten sowie Vanessa Ganser, die im Jahre 2003 als Jugendtanzmariechen den ersten Deutschen Meistertitel für die Böhler Hängsching errang. Ebenfalls erstmalig wurde Vanessa Ganser 2003 für die Fernsehsitzung des SWR sowie für das Musical „Dance“ nominiert.
Wer glaubt, ein Karnevalverein sei nur während der Fasnachtskampagne aktiv, dem sei gesagt: Ausflüge, der Kerweumzug, Fußballturniere, Schützenmeisterschaften, Zeltlager, Tischtennisturniere, Grillfeste, „Blookitteltreffe“ und vieles mehr lassen die Zeit zwischen Aschermittwoch un dem 11.11. wie im Flug vergehen.